Acta Historica Leopoldina 39, 9-40 (2004)           Vorträge und Abhandlungen zur Wissenschaftsgeschichte 2000/2001

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Tief beeindruckt von Konrad Lorenz (1903-1989)

Bernhard Hassenstein

Abb. 1

Zum Auftakt ein symbolträchtiges Bild: Konrad LORENZ — nach seinem Abschied von Seewiesen — im Almtal nahe Linz auf einem schmalen Steg; hinter ihm einige auf ihn geprägte Graugänse im Begriff, ihm zu folgen (Foto B. HASSENSTEIN).

Einleitung

Als Student bekam ich 1941 von meinem wissenschaftlichen Lehrer Erich VON HOLST (1908-1962) den dringenden Rat, die Veröffentlichungen von Konrad LORENZ gründlich zu studieren. Noch heute besitze ich die Ausarbeitung, die ich daraufhin als 19jähriger von seinem Aufsatz "Über die Bildung des Instinktbegriffs" (1937) angefertigt habe. Im Jahre 1950 lernte ich dann Konrad LORENZ auch persönlich kennen und blieb mit ihm bis zu seinem Lebensende in Verbindung. Im Verlauf der Jahrzehnte formte sich durch Lektüre, Wahrnehmung und Miterleben ein Bild von seiner Persönlichkeit und seinem wissenschaftlichen und öffentlichen Wirken, das im folgenden Aufsatz skizziert wird.

Konrad LORENZ war eine der bemerkenswertesten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. In mindestens fünf Richtungen ist er in ganz besonderer Form hervorgetreten:

  • als Tierbeobachter und Wegbereiter der "vergleichenden Verhaltensforschung";
  • als eigentlicher Begründer der Humanethologie als eines neuen Zweiges der biologischen Anthropologie;
  • als Erkenntnistheoretiker, und zwar als Urheber einer neuen Teildisziplin von ihr, der "evolutionären Erkenntnistheorie";
  • als Schriftsteller weltbekannt gewordener Bücher über Themen der Naturerkenntnis und
  • als Zeitkritiker und politischer Mahner, in Einzelfällen auch politisch Handelnder.

Schon diese Vielzahl und Mannigfaltigkeit seiner Aktivitäten weist darauf hin, daß Konrad LORENZ eine Persönlichkeit von ganz besonderem Zuschnitt war. Er war geprägt durch eine sprudelnde Vitalität, eine jederzeit zu erwartende überraschende Originalität, eine Beobachtungswachheit für alles, was um ihn herum vorging, eine begnadete sprachliche Formulierungsfähigkeit im Deutschen wie im Englischen.

über die Wesenszüge von Konrad LORENZ, über seine Biographie und sein Schaffen kann man sich durch ausgewählte Lektüre einen so umfassenden, vielseitigen und lebendigen Eindruck verschaffen, wie das bei kaum einer anderen Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts möglich ist. Die folgenden vier Bücher lassen ganz verschiedene Seiten seines Wesens zum Ausdruck kommen:

  • ein großformatiger Bildband über sein Leben und Forschen (FESTETICS 1983), herausgegeben von dem aus Ungarn stammenden Antal FESTETICS, Inhaber eines Lehrstuhls für Wildbiologie an der Universität Göttingen;
  • ein von demselben herausgegebenes Buch Zum Sehen geboren (FESTETICS 2000), ein Facetten-Muster aus Kurzaufsätzen über LORENZ aus der Feder von ihm nahestehenden Wissenschaftlern;
  • das Taschenbuch Leben ist Lernen, ein klares und umfassendes Interview mit dem Journalisten Franz KREUZER (LORENZ/KREUZER 1981).
  • Der als Taschenbuch herausgegebene Briefwechsel zwischen Konrad LORENZ und Oskar HEINROTH, dem herausragenden Ornithologen, versehen mit Skizzen von Ereignissen mit Tieren — auch als Zeichner war Konrad LORENZ einmalig! (HEINROTH/LORENZ 1988)

Um die Reaktionen der Umwelt auf das Wirken von Konrad LORENZ — von begeisterter Zustimmung bis zu feindlicher, verletzender Polemik — zu verstehen, muß man sich klar machen: In mindestens vierfacher Hinsicht äußerte sich LORENZ als leidenschaftlicher Gegner zu bis dahin weltweit gültigen wissenschaftlichen Lehrmeinungen:

  • zur Reflexlehre, ausgehend von dem russischen Physiologen I. P. PAVLOV (1849-1936), d. h. der Grundidee, ausschließlich Reflexe und nicht auch innere, endogene Impulse seien die funktionellen Bausteine allen Verhaltens;
  • zum Behaviorismus, also der Lehre vom Gelernt- (und Nicht-Angeboren-)Sein alles Verhaltens;
  • zur Frustrations-Aggressionstheorie, die besagt, alles aggressive Verhalten sei als Antwort auf äußere, z. B. einengende Einflüsse zu verstehen;
  • zu Immanuel KANTS Lehre von a priorischen Urteilen des menschlichen Geistes: LORENZ dagegen erklärte die Urteile z. B. über Raum und Zeit als a posteriorisch, nämlich als "angeborene Formen möglicher Erfahrung" und damit als Ergebnisse der phylogenetischen Anpassung an Bedingungen der Umwelt.

Wenn jemand gegen weitverbreitete und allgemeingültige Ansichten auftritt — und dies auch noch zusätzlich in populärwissenschaftlicher Form kund tut — dann darf er sich über heftige, ja polemische Kritik nicht wundern. Die gibt es in der Tat gegen LORENZ in Fülle. Was mehr Druckseiten füllt, Ablehnung oder Zustimmung zu Konrad LORENZ, weiß ich nicht zu sagen. Seit der Nobelpreisverleihung 1972 sind auch Stellungnahmen von Konrad LORENZ zur Eugenik aus den Jahren 1941 bis 1944 auf das heftigste kritisiert worden. Ich werde darauf zurückkommen.

A. Kurzbiographie

Konrad LORENZ, geb. am 7. November 1903 in Altenberg an der Donau, war der zweite Sohn des seinerzeit berühmten, auch heute noch bekannten Orthopäden Adolf LORENZ (1854-1946) (vgl. Abb. 2), dem wir die Prophylaxe gegen die "angeborene Hüftgelenkausrenkung" verdanken (mittels des Spreizhöschens) (Ad. LORENZ 1936, Alb. LORENZ 1952).

Abb. 2

Sohn und Vater, Konrad und Adolf LORENZ (aus FESTETICS 1983, S. 20, Abb. 14).

Das Paradies seiner Kindheit war der Auwald an der Donau (Abb. 3), das Leitmotiv der Kinder- und Jugendjahre das Beobachten, Pflegen und Aufziehen der verschiedensten Tiere, darunter: Schildkröten, Hausentenküken, Feuersalamander, Laubfrösche, später Buntbarsche, Dohlen, Nachtreiher und Graugänse. Er studierte Medizin und war mehrere Jahre lang Assistent am Anatomischen Institut Wien.

Abb. 3

Konrad LORENZ als knapp 80jähriger im Paradies seiner Kindheit, dem Auwald linksseitig der Donau gegenüber von Altenberg (Foto B. HASSENSTEIN).

Als Student heiratete er, 23jährig, die Medizinstudentin Gretl GEBHARDT (Abb. 18), die später lange Zeit durch ihre medizinische Praxistätigkeit für den Lebensunterhalt der jungen Familie sorgte. Neben der Assistententätigkeit studierte Konrad LORENZ Zoologie, sammelte unzählige Erfahrungen mit Tieren, veröffentlichte mehrere Arbeiten über das Verhalten von Vögeln, begann den intensiven Gedanken- und Erfahrungsaustausch mit Oskar HEINROTH (1871-1945) und war daneben noch Motorradrennfahrer. 1937 habilitierte er sich an der Universität Wien für menschliche Anatomie und vergleichende Tierpsychologie. In diese Jahre fiel eine mehrwöchige Zusammenarbeit in Altenberg mit Niko TINBERGEN (1907-1988) zur Erforschung der Eirollbewegung der Graugans (vgl. Abb. 7).

1940 geschah das Unerwartete: die Berufung des 37jährigen Konrad LORENZ als ordentlicher Professor für vergleichende Psychologie an die Universität Königsberg in Ostpreußen. Schon im Jahr darauf wurde er jedoch zum Kriegsdienst eingezogen, zunächst als Psychiater, so daß er noch mehrere wissenschaftliche Arbeiten verfassen und veröffentlichen konnte. Von 1944 bis 1948 war er in russischer Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Rückkehr schrieb er in Wien das bald in viele Sprachen übersetzte, weltweit verbreitete Buch Er redete mit dem Vieh, den Vögeln und den Fischen (1949. Deutsche Gesamtauflage 1983: 670 000). 1950 wurde er wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft und begründete seine Forschungsgruppe zunächst auf dem Gut des Barons ROMBACH in Buldern bei Münster, dann 1956 gemeinsam mit Erich VON HOLST das Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie in Seewiesen bei Starnberg (Abb. 4).

Abb. 4

Erich VON HOLST und Konrad LORENZ in Seewiesen (Archivbild).

Das Jahr 1973 brachte dem 70jährigen zweierlei: den Nobelpreis für Medizin und Physiologie gemeinsam mit Karl VON FRISCH (1886-1982) und Niko TINBERGEN (Abb. 5) sowie die Rückkehr für 15 arbeitsreiche Lebensjahre in sein Vaterhaus in Altenberg. Seine Graugänse wurden ins Almtal nahe Linz umgesiedelt, wo seither eine kleine Forschungsstation besteht.

Abb. 5

Konrad LORENZ bei der Nobel-Preis-Verleihung mit der Urkunde; Niko TINBERGEN im Hintergrund (aus FESTETICS 1983, S. 123. Abb. 200).

B. Hauptaussagen der Vergleichenden Verhaltensforschung bis 1943

Am 17. Februar 1936 hielt der damals 32jährige Konrad LORENZ einen Vortrag im Harnackhaus der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft in Berlin-Dahlem "Zur Kritik der Begriffsbildung des Instinktes" (LORENZ 1937). Mit einer Fülle von Beobachtungen, teils eigenen, teils aus der Literatur entnommenen, widerlegte er in diesem Vortrag zwei damals übliche Anschauungen:

  1. Instinktverhalten sei in der Stammesgeschichte fließend in erlerntes und verstandesgesteuertes Verhalten übergegangen, und entsprechendes geschehe auch in der Individualentwicklung (Ontogenie) jedes Einzelwesens.
  2. Instinktives Verhalten diene nicht nur in seiner Auswirkung biologischen Zielen, es werde durch diese Ziele auch in seinem Ablauf gesteuert, beispielsweise indem bestimmte übergeordnete Instinkte (etwa "Brutpflege") die biologischen Ziele repräsentieren und die ausführenden Verhaltensweisen (z. B. Jungenfütterung) lenken. Instinktives Verhalten sei also nicht nur zweckmäßig, sondern auch, im eigentlichen Wortsinn, zielgerichtet.

Im Unterschied dazu, so legte LORENZ überzeugend dar, sei

  • Instinktverhalten etwas grundlegend anderes als durch Lernen entstandenes Verhalten; beides könne sich im Verhaltensablauf ablösen, abwechseln oder verschränken ("Instinkt-Dressur-Verschränkung"), aber niemals ineinander übergehen.
  • Was ein Tier im Instinktablauf anstrebe, sei nicht die Erfüllung des biologischen Endzwecks — dieser sei ihm in der Regel gar nicht einsichtig —, sondern allein das Ablaufenlassen der betreffenden Instinktbewegungen.
  • In dieser Sinne sei Instinktverhalten als "angestrebter Reflexablauf" zu verstehen.

Nach Vortragsschluß geschah zweierlei Ungewöhnliches:

  1. Als letzter Redner der Diskussion meldete sich Max HARTMANN (1876-1962), Direktor des KWI für Biologie, damals unbestrittene Autorität in wissenschaftlichen und erkenntnistheoretischen Fragen der Allgemeinen Biologie, und sagte: "Ich könnte manches zu dem, was Herr Lorenz gesagt hat, beitragen — vor allem Illustrationen —; da es aber sehr spät geworden ist, möchte ich Sie nur fragen, ob Ihnen allen klar geworden ist, daß hiermit ein Feld der induktiven Naturforschung zugänglich gemacht ist, das bisher ausschließlich Tummelplatz unfruchtbarer geisteswissenschaftlicher Spekulationen war. Und zwar durch einen Weg, den wir ausschließlich Herrn Lorenz verdanken."

    Der neu entstandene Wissenszweig nannte sich "Vergleichende Verhaltensforschung" (womit der Vergleich zwischen verschiedenen Tieren und mit dem Menschen gemeint ist) oder Ethologie. Konrad LORENZ hat die eben zitierte Aussage Max HARTMANNS überliefert (LORENZ/KREUZER 1981); er selbst aber hat die Begründung der Ethologie stets früher datiert, nämlich auf 1910, und sie — ohne Vorbehalt — seinem wissenschaftlichen Lehrer Oskar HEINROTH zugeschrieben (HEINROTH, K. 1971).

  2. Nun das zweite Ungewöhnliche im Anschluß an Konrad LORENZ' Vortrag 1936: Nach dem Abschluß der Diskussion stürmte ein Hörer, der fast während der ganzen Vortragszeit begeistert gelauscht, in den letzten Minuten aber in seiner Mimik Enttäuschung, ja fast Entsetzen ausgedrückt hatte, der 29jährige Zoologe Erich VON HOLST, zu LORENZ und überzeugte ihn in wenigen Minuten davon, daß die letzte seiner vorgetragenen Vorstellungen von Grund auf falsch gewesen war: Instinktives Verhalten sei nicht aus Reflexen zusammengesetzt! Entscheidend für instinktives Verhalten seien keine durch Außenreize hervorgerufenen Reaktionen, sondern die spontan entwickelte Eigenaktivität des Zentralnervensystems. — Hiermit begann die lebenslange Zusammenarbeit der beiden Forscher; und der 17. Februar 1936 wurde zum Geburtstag nicht nur der Vergleichenden Verhaltensforschung, sondern auch der Verhaltensphysiologie

Nun folgen, illustriert durch einige der allbekannten Beispiele, zehn der wichtigsten Aussagen, die Konrad LORENZ teils als 32jähriger im eben genannten Berliner Vortrag, teils sieben Jahre später in der umfassenden Arbeit "Die angeborenen Formen möglicher Erfahrung" (LORENZ 1943) als gedankliche Schwerpunkte der neuen Wissenschaftsrichtung etabliert hat. Ich lernte diese Aussagen seinerzeit in meiner Studenten- und Kriegsdienstzeit kennen, habe sie voller Wissensdurst in mich aufgenommen und war aufs tiefste beeindruckt.

  1. Instinktbewegungen verdanken ihre Entstehung keinem Lernen (etwa durch Nachahmung). Sie sind den Tieren mitgegeben, d.h. angeboren bzw. genetisch bedingt (also durch die genbedingte Entwicklung ihrer physiologischen Grundlagen entstanden). Sie sind in der Regel von Tierart zu Tierart verschieden; Oskar HEINROTH nannte sie dementsprechend "arteigene Triebhandlungen". Man kann sie, wie gestaltliche Merkmale, als Kennzeichen für die Artzugehörigkeit verwenden; Abb. 6 zeigt ein Beispiel. Neuere Ausdrücke für Instinktbewegungen sind: "angeborenes Bewegungsmuster", "Erbkoordination" und "formstarre Bewegung". Die Berechtigung für den letzten dieser Ausdrücke wird veranschaulicht durch Abb. 7.

    Abb. 6

    Eine zur Gesellschaftsbalz von Enten gehörende Erbkoordination, die bei verschiedenen Arten stets unterschiedlich abläuft, also ein Artmerkmal ist: Oben links Stockerpel, Ausgangsstellung zur Gesellschaftsbalz; oben rechts dgl. "Kurz-Hoch"-Bewegung: Kopf und Schwanz etwa gleich hoch. Unten links Bahama-Erpel, Normalhaltung, unten rechts dgl. "Kurz-Hoch"-Bewegung: Schwanz deutlich höher als der Kopf. (Aus LORENZ 1941a)

    Abb. 7

    Eirollbewegung bei der Graugans: Ein außerhalb des Geleges befindliches Ei wird von ihr in einem typischen Bewegungsablauf ins Nest "zurück"gerollt, und zwar auch dann, wenn ihr ein künstliches, viel zu großes Ei angeboten wird. Die Kopfbewegung wird formstarr fortgesetzt, auch wenn das zu große Ei schon seitlich herausgerollt ist, siehe letztes Bild. Dieses Verhaltensmuster wurde gemeinsam von Konrad LORENZ und Niko TINBERGEN erforscht (Zeichnungen zusammengestellt aus LORENZ/TINBERGEN 1938).

  2. Instinktbewegungen werden durch Schlüsselreize ausgelöst, ohne daß die Tiere Einsicht in die Funktion ihres Verhaltens haben. LORENZ sprach im Fall von Schlüsselreiz-Mustern von "angeborenen Schemata", die innerhalb des Tieres durch "angeborene auslösende Mechanismen" ausgewertet, d. h. "erkannt" werden, worauf nun das zugehörige Verhalten in Gang kommt. Durch "Attrappenversuche" lassen sich die angeborenen Schemata erforschen. Abb. 8 zeigt ein Beispiel: LORENZ war eines Tages bei sinkender Dämmerung vom Bad in der Donau nach Hause gekommen und eilte aufs Hausdach, um die freifliegenden Dohlen wie allabendlich in den Käfig zu locken. Plötzlich geschah etwas nie Erlebtes: Die sonst verträglichen, ja freundlichen Dohlen stürzten sich auf ihn mit wütenden Schnarrlauten und attackierten seine linke Hand mit schmerzhaften Schnabelstößen. Was war der Grund? Diese Hand hielt die vom Bad in der Donau noch nasse schwarze Badehose und schwenkte sie bei den Kletterbewegungen hin und her. Bei den Dohlen hatte dies das Auslöse-Schema "etwas Schwarzes wird von einem größeren Lebewesen getragen" ansprechen lassen, das für sie die Bedeutung "Dohle in den Fängen eines Räubers" besitzt und den sofortigen Angriff auch auf weit überlegene Feinde auslöst.

    Abb. 8

    Schlüsselreiz: Eine nasse schwarze Badehose genügte als Auslöse-Schema für eine Gruppenaggression beim sonst vertrauten Dohlenschwarm (aus LORENZ 1949, S. 66).

    Dieses Tier-Erlebnis veranschaulicht das Prinzip des "angeborenen Schemas" darum besonders deutlich, weil das auslösende Reizmuster hier erheblich merkmalsärmer ist als das Gesamtbild, das unser Gestaltsehen registriert; dies läßt die Besonderheit dieses "schematisierenden" Wahrnehmungs- und Auslösungsprozesses sichtbar werden. — Ferner liefert diese Beobachtung auch ein Beispiel für etwas ganz anderes, für eine spezielle Aggressionsform, die Gruppenaggression: Der Angriffslaut, von wenigen Tieren geäußert, löst die Aggression auch bei den übrigen Gruppenmitgliedern aus, d. h. diese Form der Aggression ist — im Unterschied zu anderen Aggressionsarten — ansteckend.

  3. Prinzip der doppelten Quantifizierung: Die Intensität(sstufe) einer ausgelösten Instinktbewegung hängt von zwei Faktoren ab, erstens von der im Augenblick bestehenden Anhäufung reaktionsspezifischer Erregung, zweitens von der Intensität des einwirkenden Außenreizes. Geringe Bereitschaft und starker Reiz können unter Umständen genau dieselbe Intensität und Form der Antwort bewirken wie starkes Erregungspotential und schwacher Reiz.

  4. Es gibt auch Verhalten im Leerlauf. LORENZ berichtet: "Ich besaß einst einen jungaufgezogenen Star, der den gesamten Handlungsablauf der von einer Warte betriebenen Fliegenjagd als Leerlaufreaktion brachte, und zwar mit einer Menge von Einzelheiten, die auch ich bis dahin für zweckgerichtete Bewegungen und nicht für instinktmäßig gehalten hatte. Er flog auf den Kopf einer bestimmten Bronzestatue in unserem Wohnzimmer und musterte von diesem Sitze aus andauernd den 'Himmel' nach fliegenden Insekten, obwohl an der Decke des Zimmers keine vorhanden waren. Plötzlich zeigte sein ganzes Verhalten, daß er eine fliegende Beute erblickt hatte. Er volführte mit Augen und Kopf eine Bewegung, als verfolgte er ein dahinfliegendes Insekt mit seinen Blicken, seine Haltung straffte sich, er flog ab, schnappte zu, kehrte auf seine Warte zurück und vollführte die seitlich schlagenden Schleuderbewegungen mit dem Schnabel, mit denen sehr viele insektenfressende Vögel ihre Beute gegen die Unterlage, auf der sie gerade sitzen, totzuschlagen pflegen. Dann vollführte er mehrmals Schluckbewegungen, worauf sich sein knapp angelegtes Gefieder etwas lockerte und in vielen Fällen der Schüttelreflex eintrat, ganz, wie er nach einer wirklichen Sättigung einzutreten pflegt. Sein ganzes Verhalten ahmte so täuschend den seinen biologischen Sinn erfüllenden Ablauf nach, daß ich nicht nur einmal, sondern wiederholt auf einen Stuhl kletterte, um nachzusehen, ob mir nicht doch bisher irgendwelche kleinsten fliegenden Insekten entgangen waren. Es waren wirklich keine da." — Noch ein weiteres Beispiel: Gänse machen, wenn sie satt sind und in dem betreffenden klaren Wasser nichts finden, unermüdlich die Bewegungen des Gründelns. — Beobachtungen wie diese sind gewichtige Argumente für die schon erwähnte Grundaussage: im Rahmen des instinktiven Verhaltens wird das Verhalten und nicht der biologische Endzweck "angestrebt". Der Erregungsdruck kann durch Nicht-Auslösung im Laufe der Zeit ansteigen. Durch die Endhandlung wird das "aktionsspezifische Potential" des Instinktverhaltens aufgebraucht und nimmt erst danach spontan wieder zu.

  5. Die Vorstellung, das Zentralnervensystem könne in diesem Sinne spontan und von sich aus Erregung produzieren und nicht nur als Reflexantwort auf Reize, war damals den Physiologen dermaßen fremd, daß sie meinten, damit hätte LORENZ das Entstehen von Energie aus dem Nichts behauptet; dies sei Vitalismus und verstoße gegen das Kausalgesetz. Um diesen Vorwurf zu entkräften, und um zu zeigen, daß seine Vorstellung mit dem Kausalgesetz überhaupt nicht im Widerspruch steht, hat LORENZ ein mechanisches Modell, das genau dasselbe Verhalten offenbart, ohne akausal zu sein, entworfen und es erstmalig im "Russischen Manuskript", also zwischen 1944 und 1948 (LORENZ 1992) zu Papier gebracht. LORENZ hat ein solches "Triebmodell" zunächst nur beschrieben (1937) und erst später auch gezeichnet (Abb. 9).

    Abb. 9

    Das "Triebmodell" von Konrad LORENZ, das den auslösenden Mechanismus mit dem inneren Antrieb, der Zunahme der Bereitschaft, eine Handlung auszuführen, als Modell vorstellt (links Handzeichnung von LORENZ, rechts spätere Fassung nach LORENZ 1978a, Abb. 18a, umgezeichnet und neu beschriftet).

    Wer das LORENZsche Triebmodell nachträglich als "Psychohydraulik" bespöttelt, hat weder dessen damalige historische Rolle begriffen, noch erfaßt er die Bedeutung des Modelldenkens in den Naturwissenschaften überhaupt.

  6. Zu den berühmtesten Entdeckungen, die wir Konrad LORENZ verdanken, gehören die Demutshaltung und die Tötungshemmuung: Wenn artgleiche Angehörige desselben Sozialverbandes, z. B. Wölfe, miteinander kämpfen, so ist es nicht die Regel, daß der Sieger nach dem Kampf seine Überlegenheit ausnutzt und den Unterlegenen verletzt oder tötet. Vielmehr nimmt der Unterlegene eine Haltung ein, die Unterwerfung ausdrückt. Dies wirkt beim Sieger als Schlüsselreizmuster und unterdrückt den weiteren Angriff, ja manchmal folgt darauf eine regelrechte "Versöhnung" im gemeinsamen Spielen (LORENZ 1943). Ein Beispiel aus einem anderen Verhaltensbereich zeigt Abb. 10.

    Abb. 10

    Demutshaltung und Tötungshemmung: das Küken der Wasserralle zeigt dem erwachsenen Tier einen roten Fleck am Hinterkopf, woraufhin ein Angriff unterbleibt (LORENZ 1949, S. 204).

  7. Man spricht von Prägung, wenn ein Lernvorgang nur in einer bestimmten Lebensepoche, der "sensiblen Phase", möglich ist und nach deren Verstreichen weder nachgeholt noch durch Umlernen verändert werden kann. Durch Prägung entstehen Bindungen. Sie legen fest, worauf sich künftig bestimmte Reaktionen des betreffenden Tieres richten werden; bei manchen von Konrad LORENZ aufgezogenen Dohlen waren durch Prägungsvorgänge die Mitfliege-Reaktionen auf Nebelkrähen, die Balzhandlungen auf den Menschen und die Jungenfürsorge auf junge Dohlen gerichtet.

    Der 29jährige Konrad LORENZ wollte einmal ganz genau beobachten, wie ein Graugansküken aus dem Ei schlüpft. Das Tierchen hatte schon mit dem Eizahn von innen her eine kreisrunde Furche in die Schale gesprengt, die dadurch entstandene Kappe nach außen gedrückt, und es hate sich aus der Schale befreit. Nun ruhte es aus und sah mit schwarzem Auge ins Antlitz des aufmerksam beobachtenden Mannes. Da machte dieser eine Bewegung und sagte irgendein Wort. Hierauf antwortete der kleine Vogel: Er vollzog die angeborene Gebärde des Grüßens nach Art der Graugänse, senkte seinen Kopf mit vorgestrecktem Hals und nach unten durchgedrücktem Nacken und äußerte den dazugehörigen Laut; dieser klang allerdings wegen der Kleinheit und Schwäche des Vögelchens nur wie ein Wispern, war aber als Grußlaut unverkennbar.

    Damit war die Beobachtung abgeschlossen. Konrad LORENZ nahm das Gössel und schob es ins Bauchgefieder der Hausgans, die als Pflegemutter ausersehen war. Kein Gedanke, daß sich das Gössel nicht an sie anschließen würde. Aber daraus wurde nichts: Immer wieder verließ das Gössel die wärmenden Gänsefedern, folgte dem Menschen, wenn dieser sich entfernte, mit flehentlichem Verlassenheitslaut und suchte nur bei ihm Wärme, Schutz und Betreuung. Konrad LORENZ "adoptierte" daraufhin das kleine Wesen und folgte damit, wie er sagte, der Verpflichtung, die er auf sich genommen hatte, indem er der "Musterung des dunklen Äugleins standgehalten und mit einem unbedachten Wort die erste Begrüßungszeremonie ausgelöst hatte". Hierdurch war eine Bindung entstanden, die Bindung zwischen einem Jungtier und seinem Betreuer. Das Gössel bekam in feierlicher Taufe den Namen Martina. Erst 17 Jahre später (LORENZ 1949) hat LORENZ diese Begebenheit aller Welt bekannt gemacht.

    Nach der Besprechung der Kind-Eltern-Prägung nun noch ein Beispiel für sexuelle Prägung: Ein Türkenerpel, von Graugänsen erbrütet und aufgezogen, erwählte diese später zum alleinigen Objekt seiner sexuellen Instinkte.

    Allgemein gilt: Bei der Entstehung von Prägung

    • sind Lohn und Strafe nicht beteiligt;
    • besteht zeitliche Beschränkung für den Vorgang der Einprägung: sensible Phase;
    • besteht Irreversibilität: Das Eingeprägte kann später weder vergessen noch umgelernt werden (falls die Reaktion nicht als ganzes verschwindet).
  8. Seiner Herkunft nach sowohl Zoologe als Arzt, interessierten Konrad LORENZ auch später Tier und Mensch gleichermaßen. Kaum hatte er an Tieren die "angeborenen Schemata" studiert, so fiel ihm entsprechendes auch beim Menschen auf. Nur werden beim Menschen in der Regel nicht gleich Instinkthandlungen ausgelöst, sondern — gleichsam als Vorstufe dazu — Affekte und gefühlsmäßige Neigungen. Ein Beispiel dafür bildet das Kindchenschema (Abb. 11). Mit diesem Ausdruck bezeichnete LORENZ die Kombination aus den Merkmalen große Augen, hohe Stirn, kurze Nase und vorgewölbte Bäckchen, die ein Kindergesicht niedlich und herzig erscheinen lassen, was den menschlichen Pflegetrieb anspricht. Als im 19. Jahrhundert Baby-Puppen aufkamen, formte man deren Gesichter, ohne sich dessen bewußt zu sein, nach dem Kindchenschema; es erhöhte den Kauferfolg, je stärker man die Merkmale des Kindchenschemas zur Geltung brachte, ja — bis zum gewissen Grade — übertrieb. Auch in unserem Verhältnis zu Tieren ist das Kindchenschema wirksam: Unter seinem Einfluß entzücken uns junge Katzen und Koalabären (die Vorbilder des Teddybären), während wir zu manchen Affenbabies wegen deren hagerer Gestalt ohne vorspringende Bäckchen spontan kaum zärtliche Regungen verspüren.

    Die Entdeckung des Kindchenschemas kann man als Begründung der auf den Menschen bezogenen vergleichenden Verhaltensforschung, der Humanethologie, ansehen.

    Abb. 11

    Kindchen-Schema. Links von jedermann als "niedlich" empfundene Kopf-Proportionen (Kind, Wüstenspringmaus, Pekineser, Rotkehlchen), rechts weniger "Brutpflegetendenz" auslösende Verwandte (Mann, Hase, Jagdhund, Pirol). Zeichnung von Konrad LORENZ aus LORENZ 1943, wiedergegeben in LORENZ 1965, Bd. II, S. 157, und LORENZ 1978, S. 131.

  9. Unter den in der menschlichen Natur verwurzelten geistigen Befähigungen imponierte Konrad LORENZ besonders eine Leistung, die für ihn zentral zu seinem Menschenbild gehörte, die er aber gleichwohl als einen fast mathematisch arbeitenden physiologischen Mechanismus verstand: "Wir besitzen [...] einen Verrechnungsapparat, der imstande ist, schier unglaubliche Zahlen einzelner 'Beobachtungsprotokolle' aufzunehmen, [...] über lange Zeiträume festzuhalten und [...] echt Statistik mit ihnen zu treiben. [...] Unsere Gestaltwahrnehmung ist fähig, aus einer Vielzahl von Einzelbildern, auch wenn jedes mehr akzidentelle als essenzielle Daten enthält, [...] die essenzielle Invarianz zu errechnen." Wie hoch Konrad LORENZ diese von ihm oft als Gestaltwahrnehmung bezeichnete Fähigkeit im Vergleich zur begrifflichen Verstandesfähigkeit einschätzte, beweist seine Feststellung: "Die Gestaltwahrnehmung kann viel mehr Merkmale in ihre Kalkulation einbeziehen als die menschliche Ratio." Konrad LORENZ war nun ein viel zu souveräner Geist, als daß er sein Aufmerksammachen auf die Gestaltwahrnehmung als Erkenntnisquelle zugleich als Versuch einer Abwertung der experimentellen und mathematisch-theoretischen Analyse hatte verstanden wissen wollen. Im Gegenteil bekannte er sich zu folgender Aussage: "Zur Naturforschung bedarf man — als legitimer Quelle wissenschaftlicher Erkenntnis — der Gestaltwahrnehmung, aber mit dieser Wahrnehmung beginnt eigentlich erst die wissenschaftliche Arbeit: nämlich die Aufgabe, den Nachweis ihrer Richtigkeit [...] zu erbringen." (LORENZ 1978a)
  10. Gruppenaggression beim Menschen: Auf Situationen, deren sinnvolle Beantwortung im Einsatz sozialer Kampfreaktionen besteht, sprechen wir mit dem spezifischen Erlebnis der Begeisterung an, das bei genügender Intensität mit sehr vielsagenden motorischen Vorgängen verbunden ist: Es "überläuft" uns. Dieses Gefühl geht einher mit dem Sträuben unserer Körperhaare auf dem Oberrücken und an der Außenseite der Arme. Dies macht beim fast haarlosen Menschen freilich nicht viel aus und würde uns überhaupt nicht auffallen, hätte nicht der Schimpanse dieselbe Armhaltung in gleicher Koppelung mit Sträuben derselben Haarbezirke auf Rücken und Armen, was bei ihm, von vorne gesehen, eine sehr merkliche Änderung und Vergrößerung des Körperumrisses bedingt. Der Mensch sträubt also im Affekt der kämpferischen Begeisterung einen Pelz, den er gar nicht mehr hat; das Arbeiten der Musculi arrectores pilorum bei Kampfstimmung hat beim Menschen das Haarkleid um ein paar tausend Jahre überlebt (LORENZ 1943).

C. Weltbekannt gewordene Bücher

Zum Öffentlichen Paukenschlag wurde 1963 das Buch Das sogenannte Böse mit dem Untertitel "Zur Naturgeschichte der Aggression" (LORENZ 1963). Bislang an die Vorstellung vom erbarmungslosen "Kampf ums Dasein" in der freien Natur gewohnt, verblüffte es den Leser, daß ausgerechnet die wehrhaftesten Raubtiere ihre gegenseitigen Kämpfe keineswegs bis zum bitteren Ende, bis zum Tode des unterlegenen führen; im Gegenteil, etwa beim Kampf zwischen den stärksten Rüden eines Wolfsrudels bietet der unterlegene Kämpfer dem Sieger unvermittelt seine verletzlichste Körperstelle, die seitliche Partie mit der Halsschlagader, offen dar, woraufhin der Sieger seine Überlegenheit nicht ausnutzt, sondern den Verlierer schont. LORENZ hatte eine solche Szene mit eigenen Augen im Londoner Whipsnade-Zoo beobachtet. Ausgerechnet die Tauben, die Friedensvögel, dagegen entwickeln keine solche Hemmung, sondern können unterlegene Artgenossen im Kampf grausam umbringen. Im Spiegel dieser Beobachtungen verstand sich der Mensch plötzlich von einer neuen Seite: Wir besitzen Fernwaffen — vom geschleuderten Stein bis zum Speer, vom Gewehr bis zur Bombe —, und unsere Augen sehen den Gegner nicht mehr, wir hören seine Schreie nicht. Letztlich ist es eine Folge der Zivilisation: Dem Angegriffenen fehlt jede Chance, die Botschaft "Unterwerfung! Frieden schließen!" an den todbringenden Angreifer gelangen zu lassen, und dieser handelt mangels menschlicher Rückmeldung kalt und rational.

An sich aber, so lehrte LORENZ im Sinne von Charles DARWIN (1809-1882) weiter, sind Aggression und Kampf lebensfördernd und "arterhaltend", auch die Gruppenaggression, deren Ziel er selbst, badehosehaltend, für seine Dohlenschar geworden war: Der Feind der Gruppe wird bedingungslos angegriffen, wobei diese Form der Aggressivität zum Nutzen der Gesamtgruppe von Tier zu Tier ansteckend ist und so eine rückhaltlose Kampfes-Solidarität herstellt. Auch diese Aggressions-Erfahrung aus dem Tierreich laßt den Betrachter sogleich an den Menschen denken. Auch bei uns gibt es blinden Kriegsrausch, kriegsbedingte Gruppensolidarität, Enthemmung jeder Grausamkeit gegen den Gruppenfeind (vor allem, wenn dieser fremde Götter anbetet); zusätzlich gibt es die Projektion dieser Verhaltensschemata in die Bereiche der Sprache, des Denkens und des Wertens: Diffamierung, Schablonendenken und Freund-Feind-Schematismus. LORENZ entlarvt hier insbesondere die kollektive aggressive Begeisterung, die uns noch aus der minutenlangen Sportpalast-Reaktion auf den Ausruf des Josef GOEBBELS: "Wollt ihr den totalen Krieg?" in den Ohren klingt: Hier sind naturhafte Anteile im Wesen des Menschen angesprochen, wie sie von Agitatoren alter Geschichtsepochen ausgenutzt wurden: Den Gegner als verhaßten Gruppenfeind zu brandmarken, schweißt die eigenen Anhänger zusammen, macht sie psychisch kriegsbereit und hält die Kampfstimmung aufrecht.

Das Buch hat viel Zustimmung, aber auch heftige Kritik auf sich gezogen, gerechtfertigte und ungerechtfertigte, vor allem: Der Hinweis auf das Angeborensein des menschlichen Aggressionsverhaltens könne als Entschuldigung der Gewalt in Vergangenheit und Zukunft dienen. Liest man aber sorgfältiger, so ist für LORENZ gerade das gegenteilige Motiv maßgebend: Wenn es gilt, einer naturgegebenen Tendenz durch Moral, Vernunft und Erziehung zu steuern, so muß man die Gefahr kennen und, falls man sie nicht kennt, sie erforschen!

Eine andere Aussage von Konrad LORENZ, die viel Kritik herausgefordert hat, lautet: Wie bei vielen Tierarten, so sei auch im Menschen ein Aggressionstrieb wirksam, der, wenn er nicht ausgelebt wird, von innen her immer stärker zur aggressiven Aktion dränge. Diese These soll etwas später — in anderem Zusammenhang — zur Sprache kommen.

Zunächst aber sei erwähnt, daß 1965, zwei Jahre nach dem Buch Das sogenannte Böse, die meisten der alten LORENZschen Zeitschriftenarbeiten von 1931 an in zwei Sammelbänden erschienen: Über tierisches und menschliches Verhalten. Gesammelte Abhandlungen (LORENZ 1965). Sie wurden bis 1990 in 156 000 bzw. 114 000 Exemplaren gedruckt, Für Nachdrucke von 34 bis 23 Jahre alten wissenschaftlichen Arbeiten gewiß ein einmaliger Rekord.

Auch eine zweite gedankliche Entwicklung hat Konrad LORENZ Beachtung eingebracht, nämlich das schon eingangs erwähnte Bemühen: Strukturen unseres Geistes als Anpassungen an biologische Lebensnotwendigkeiten zu verstehen. Da sich die biologische Anpassung im Laufe der Evolution einstellt, heißt das auf diesen Gedanken aufbauende philosophische System "evolutionäre Erkenntnistheorie". Darüber gibt es inzwischen Bücher mehrerer Autoren. LORENZ selbst hat hier den ersten auf Erkenntnistheorie abzielenden Bestseller verfaßt mit dem hintergründigen Titel Die Rückseite des Spiegels (LORENZ 1973a). Darin ist besonders wichtig die klare Widerlegung aller "Ismen" wie Mechanismus, Physikalismus, Biologismus und Psychologismus, sofern diese Denkrichtungen "sich anmaßen, die für höhere (Seins-) Schichten kennzeichnenden Gesetzlichkeiten mit den Geschehenskategorien von tieferen Seinsschichten zu erklären". Konrad LORENZ prägte für diesen leider häufig begangenen theoretischen Fehler die Bezeichnung "Grenzüberschreitung nach oben". Wo aber durch besondere Wechselwirkungen zwischen Elementen einer tieferen Seinsschicht etwas unerwartetes Neues in einer höheren Seinsschicht entsteht — aus materiellen Wechselwirkungen das Leben, aus dem Evolutionsgeschehen der Mensch —, da bediente sich Konrad LORENZ des Ausdrucks "Fulguration" und damit des ehrwürdigen Gleichnisses des fruchtbaren Blitzes; und zugleich verdammte er voll Zorn den gleichbedeutenden Ausdruck "Emergente". Er verwarf damit das Bild vom Auftauchen des Neuen aus dem Meer, erneuerte die Urdiskussion zwischen ANAXAGORAS und MALES, zwischen den Vulkanisten und den Neptunisten, und stellte sich dabei als Feuergeist auf die Seite des ANAXAGORAS.

Schon früh hat Konrad LORENZ nicht nur beobachtet und analysiert, sondern sich auch über die Methode der induktiven Forschung, der Tatsachenforschung, Gedanken gemacht. Vor allem hat er sich selbst beim Lösen von Forschungsproblemen beobachtet. Dabei beeindruckte ihn eine Fähigkeit seiner selbst und des menschlichen Geistes allgemein, die nur selten zur Sprache kommt: das seherische Entdecken von Gesetzen im scheinbaren Chaos. Es trifft den Menschen wie eine Offenbarung. LORENZ nennt es "Gestaltwahrnehmung" und erinnert uns damit an die Fähigkeit unseres Sehvermögens, aus der scheinbaren Wirrnis eines Vexierbildes urplötzlich, wenn auch vielleicht erst nach längerem Anschauen, eine bekannte Figur herauszugliedern. Diese Fähigkeit des intuitiven Gestaltsehens sei, so sagt Konrad LORENZ, sein eigentliches wissenschaftliches Organ beim Erfassen der Wirklichkeit, ihm verdanke er seine Entdeckungen. — Grundätzlich folgt dann aber auf die Gestaltwahrnehmung die harte Forschungsarbeit, um das Erschaute auf Herz und Nieren zu prüfen und es gegebenenfalls als wirklich zutreffend nachzuweisen (LORENZ 1965, Bd. II).

D. Das Menschenbild von Konrad Lorenz

Zum Menschenbild von Konrad LORENZ gehörte die in der menschlichen Natur verankerte Beeinflußbarkeit seiner Emotionen und gegebenenfalls seines Handelns durch bestimmte Wahrnehmungsmuster. Als Beispiel schilderte er die Bereitschaft zur Aggression gegen Gruppenfeinde: "Der Mensch spricht mit geradezu reflexhafter Voraussagbarkeit auf Situationen an, die eine kämpferische Verteidigung [...] einer sozialen Einheit verlangen. Die besondere Gefährlichkeit [...] solcher Begeisterung liegt darin, daß in diesem Zustand dem Menschen alle Werte als nichtig erscheinen, mit Ausnahme des einen, für den er sich im Augenblick begeistert. [...] Vor allem verlieren leider alle [...] Hemmungen, Mitmenschen zu schädigen oder zu töten, viel von ihrer Macht [...] Vernunftmäßige Erwägungen, die gegen das von der mitreißenden Begeisterung diktierte Verhalten sprechen, erscheinen dann oft geradezu als niedrig und entehrend." In dieser Veranlagung des Menschen liegt eine tiefe Tragik, deren Schilderung zu dem Packendsten gehört, was Konrad LORENZ über sein Bild vom Menschen geschrieben hat: "Das ist der Januskopf des Menschen: Das Wesen, das allein imstande ist, sich begeistert dem Dienste des Höchsten zu weihen, bedarf dazu einer verhaltensphysiologischen Organisation, deren tierische Eigenschaften die Gefahr mit sich bringen, daß er seine Brüder totschlägt, und zwar in der Überzeugung, dies im Dienste eben dieses Höchsten tun zu müssen. Ecce homo!"

Ist der Mensch dieser in den Abgründen seiner Natur verankerten Verführbarkeit zu Haß und Grausamkeit, und überhaupt den in ihm liegenden biologischen Reaktionsnormen ganz ausgeliefert? Konrad LORENZ verneinte dies mit Nachdruck: "Wäre alles phylogenetisch Programmierte [...] unbeeinflußbar durch Lernen und Erfahrung, so wäre der Mensch der verantwortungslose Spielball seiner instinktiven Antriebe. Alles kulturelle Zusammenleben hat zur Voraussetzung, daß der Mensch seine Triebe zu zügeln lernt."

Dieses Zitat hat zur Fortsetzung: "Aber die Herrschaft, die Vernunft und Verantwortlichkeit ausüben, ist nicht von unbegrenzter Stärke." Konrad LORENZ fragte sich, wie die Macht der Vernunft und das Bewußtsein der Verantwortlichkeit zu steigern seien. Eine erste entscheidende Voraussetzung hierfür liefern nach seiner Überzeugung die Naturwissenschaften. "Wo immer der Mensch die Macht erlangt hat, ein Naturgeschehen willkürlich in bestimmter Richtung zu lenken, verdankt er [...] [diese Macht] seiner Einsicht in die Verkettung der Ursachen, die [...] [das Geschehen] bewirken." Daraus folgt für künftiges humanes Handeln: "Der Einsicht in die Ursachenketten unseres eigenen Verhaltens kann unserer Vernunft und Moral [...] die Macht verleihen, dort lenkend einzugreifen, wo der kategorische Imperativ, auf sich allein gestellt, hoffnungslos scheitert." Die zweite Voraussetzung für Zuwachs an Macht für die Vernunft und die Verantwortlichkeit lautet, in Worten von LORENZ: "Es bedarf [...] eines nicht vernunft-, sondern gefühlsmäßigen Faktors, um eine vernunftmäßige Erkenntnis in einen Imperativ zu verwandeln." Hier fühlte sich Konrad LORENZ persönlich gefordert, wie er es auch in seinem Ausspruch formuliert hatte: "Die Weisen der Menschheit sind auch die Verantwortlichen der Menschheit", und zwar in beiden eben formulierten Hinsichten: erstens der Einsicht in die Ursachenketten und zweitens der Förderung der gefühlsmäßigen Faktoren, die der Einsicht die Macht verleihen können, handlungsbestimmend zu werden.

Hier richtete Konrad LORENZ seine Hoffnung auf die Jugend und begründete dies unter anderem so: "Junge Menschen beginnen mit dem Herannahen der Pubertät ihre Bindung in die Riten und Normen sozialen Verhaltens zu lockern, die ihnen durch die Familientradition überliefert sind. Gleichzeitig werden sie für neue Ideale empfänglich, die sie zu ihrer eigenen Sache machen können und für die sie [...] kämpfen wollen." Ob die jungen Menschen solche Ideale in ihrer Welt antreffen, ob sie ihnen in Vorbildern begegnen, aber auch, ob den Kindern überhaupt die für ihre Persönlichkeitsentwicklung notwendigen geistigen Entfaltungsbedingungen gewährt werden, dafür sind wir, die Erwachsenen verantwortlich. Die folgenden sechs, von Konrad LORENZ (1983) vorgetragenen Besorgnisse, Warnungen und Appelle mögen manchem allzu schlicht, überholt, zu wenig originell oder zu wenig provokativ vorkommen; aber sie ergeben sich aus dem Bild vom Menschen, das Konrad LORENZ entwickelt hat; und wir müssen damit rechnen, daß es sich um wirklich entscheidende anthropologische Konstanten und Voraussetzungen für das Heranreifen verantwortlich handelnder, belastungsfähiger Persönlichkeiten handelt.

  • "Spielen ist der Inbegriff schöpferischer Aktivität, und deshalb ist es im allerhöchsten Maße beunruhigend, wenn Kinder vor dem Fernseher sitzen, anstatt zu spielen."
  • "Ein junger Mensch ist jeglicher Propaganda besonders zugänglich, wenn er sich gerade im Stadium der Ablösung von den Traditionen des Elternhauses befindet. Zu dieser Zeit hat er ein ungeheuer starkes Bedürfnis, sich einer neuen Gruppe anzuschließen — mit dem unreflektierten Ziel, militant für die eigene Gruppe einzutreten. Jugendliche sind in diesem Alter [...] Freiwild für den Demagogen."
  • "Wenn ein junger Mensch [...] in einer nur finanziell und industriell interessierten Umgebung aufwächst, wo soll der junge Mensch Ideale hernehmen? Es ist noch ein Glück, wenn er sich nicht an falsche Ideale hängt, wie an Pseudoreligionen, oder gar in die Rauschgiftsucht flieht."
  • "Es ist eine [...] Aufgabe der Erziehung, dem heranwachsenden Menschen ein ausreichendes Material anschaulicher Tatsachen zu bieten, die es ihm ermöglichen, die Werte des Schönen und des Häßlichen, des Guten und des Bösen, des Gesunden und des Kranken überhaupt wahrzunehmen."
  • "Man muß jungen Menschen die Möglichkeit zur Bewährung in schwierigen, Mut und Ausdauer fordernden Situationen geben, die ihren ganzen Einsatz fordern und ihnen die Freude am Erfolg zuteil werden lassen."
  • "Man muß den jungen Menschen in die Situation bringen, daß er Ehrfurcht empfinden kann."

Konrad LORENZ hat ein Bild vom Menschen von einer ungeheuren Spannweite entwickelt, dessen Anteile nicht isoliert dastehen, sondern durchgehend in ihren gegenseitigen Wirkungsbeziehungen dargelegt sind: von der Naturseite bis zur geistigen Sphäre, von der Menschwerdung in der Evolution bis zur Gestaltwahrnehmung als Organ der wissenschaftlichen Erkenntnis, von der Verführbarkeit des Menschen auf biologischer Ebene zu Gruppenhaß und Barbarei bis zu den uns Erwachsenen gestellten Aufgaben für die Gestaltung einer von Moral, Verantwortung, Chancenreichtum und Entfaltungsmöglichkeiten geprägten Umwelt für die Kinder und Jugendlichen aller Altersstufen. Sein Ausspruch "Das Lang gesuchte Zwischenglied zwischen dem Tiere und dem wahrhaft humanen Menschen — "sind wir", ist nicht nur ein brillantes Aperçu, sondern kennzeichnet den Start- und den Zielpunkt eines der Wirklichkeit gerecht werdenden, im persönlichen und politischen Handeln anwendbaren, Natur und Geist in ihrem Zusammenhang erfassenden Menschenbildes.

E. Fehler und Unvollkommenheiten

Auch das Werk dieses großen Forschers enthält Fehler und Unvollkommenheiten, und ich will vier davon zur Sprache bringen:

  1. Wie alle Methoden, so kann gerade auch die intuitive Gestaltwahrnehmung mitunter, wie LORENZ selbst beschrieben hat, irreführen. Auch er mußte eine durch Gestaltsehen gewonnene, lange verfochtene Auffassung korrigieren: Im Haushund fließt, wie inzwischen schlüssig bewiesen wurde, trotz Konrad LORENZ' einstiger gegenteiliger Vermutung (LORENZ 1950a) kein Tropfen Schakalblut, er stammt ganz allein vom Wolf ab.

  2. Durch eine Fülle von Beobachtungen sah Konrad LORENZ sich zunächst veranlaßt, scharf zwischen instinktiven und erlernten Verhaltenselementen zu unterscheiden. Wo sie kombiniert auftreten, vermutete er Lücken im instinktiven Ablauf, die dann durch Erfahrung ausgefüllt werden ("Instinkt-Dressur-Verschränkung"). Diese Vorstellung dominierte noch im ersten Band der 1965 im Piper-Verlag, München, nachgedruckten, vorwiegend aus den Jahren 1931 bis 1938 stammenden Arbeiten und wurde wohl aus diesem Grunde bis vor kurzem als gültige Lehre der Ethologie aufgefaßt, vor allem seitens vieler Psychologen. So ist leider auch heute noch vielfach die Auffassung verbreitet, alles Instinktive sei star und unabänderlich und alles Erlernte sei umlenkbar und flexibel. In Wirklichkeit ist schon PAVLOVs bedingter Reflex — Speichelsekretion des hungrigen Hundes beim Glockenzeichen — ein Beweis für die mögliche Veränderbarkeit angeborenen Verhaltens: Die angeborene Speichelreaktion wird erfahrungsbedingt mit einem neuen, zuvor neutralen Reiz verknüpft. Andererseits kann auch Erlerntes starr und unveränderlich sein, wie schon Sigmund FREUDS Begriff der Fixierung ausweist. — Es ist also von Grund auf falsch, den Begriff "angeboren" einseitig mit der Eigenschaft "starr" und den Begriff "erlernt" stets mit dem Attribut "flexibel" zu verbinden.

    So ist Konrad LORENZ auch schon vor Jahren von der Vorstellung abgerückt, "wie auf einer Perlenschnur" wechselten lernabhängige Abschnitte mit unveränderlichen instinktiven Verhaltensfolgen ab; er schrieb: "Es war falsch, die Begriffe des Angeborenen und des Erworbenen als disjunkte (also: einander ausschließende) Gegensätze zu formulieren." (LORENZ 1978a)

  3. LORENZ beschrieb im Buch Das sogenannte Böse (LORENZ 1963) die Aggression insgesamt als Ausdruck eines Aggressionstriebes. Es gibt aber ganz unterschiedliche Anlässe und unterschiedliche Verhaltensmuster des Aggressiven, und davon sind manche spontan, also triebhaft; andere aber sind reine Reaktionen auf Außenbedingungen, wo also die inneren Bedingungen nur als Bereitschaft, nicht als Antrieb wirken. Dieser Vielfalt hat Konrad LORENZ zum Schaden der wissenschaftlichen Diskussion nicht genügend Ausdruck verliehen und hat später selbst dieses Versäumnis angedeutet: "Wenn ich heute 'Das sogenannte Böse' neu schreiben würde, dann würde ich eine schärfere Unterscheidung zwischen individueller Aggression innerhalb einer Gruppe und kollektiver Aggression einer ethnischen Gruppe gegen die andere vornehmen. Hier könnte es sich wohl um verschiedene Programme handeln."

  4. Als viertes Beispiel unter dem Stichwort "wissenschaftliche Fehler und Unvollkommenheiten" versuche ich nun diejenigen Thesen von Konrad LORENZ zu charakterisieren, die ihm den schweren Vorwurf eintrugen, der Ideologie der Nationalsozialisten Vorschub geleistet zu haben.

    In den 1940er Jahren — um diese handelt es sich hier ja — gehörte es schon seit mehr als einem halben Jahrhundert zum allgemeinen Bildungsgut der Menschenkenntnis: DARWINS Selektionsprinzip war einerseits anerkannt als Motor der Höherentwicklung der Lebewesen in der Evolution und als Sicherung gegen Degeneration. Andererseits aber wird seine Wirkung abgeschwächt, ja aufgehoben durch die größte Errungenschaft der Menschheit, die Zivilisation, z. B. durch die Auswirkung der Medizin, daß nachteilige Mutanten nicht ausgemerzt, sondern erbliche Krankheiten weitergegeben werden können.

    Daraus erwuchs die Sorge um die künftig zu erwartende biologische Degeneration der Menschheit; und es galt allgemein als ethisch sinnvolles Prinzip, sich Gedanken über die Abwehr der Gefahr, die als sehr schwer empfunden wurde, zu machen.

    Zu diesem heute Eugenik genannten Gedankengebäude steuerte LORENZ einen neuen Gesichtspunkt bei, und zwar in fünf Schritten (LORENZ 1943):

  5. Die Zivilisations-Auswirkung sei zum Teil verwandt oder sogar wesensgleich mit der Auswirkung der Domestikation, und zwar mit Konsequenzen für die Morphologie wie für das Verhalten; den morphologischen Aspekt hat er zeichnerisch als Karikatur in einem Brief an Oskar HEINROTH dargestellt (Abb. 12).
    Abb. 12

    Domestikation und Zivilisationswirkung: von Konrad LORENZ in einem Brief an Oskar HEINROTH gezeichnete Karikatur (HEINROTH/LORENZ 1988, S. 262).

  6. Auf die hierin liegende Gefahr für die Menschheitsentwicklung habe die biologische Evolution des Menschen bereits reagiert durch Entstehenlassen von neuen angeborenen Schemata. Sie haben zur Folge, daß wir das Domestikationsbedingte häßlich finden, den Wildtyp aber ästhetisch schön und begehrenswert.
  7. Der mit der Menschwerdung verknüpfte Vorgang der biologischen Selbstdomestikation betreffe auch eine Verminderung der Steuerwirkung der Instinkte, und zwar sowohl mit positiven Konsequenzen: höhere gedankenbedingte Handlungsfreiheit, als auch mit negativen: Degeneration von Instinkten, die für das Sozialleben von Bedeutung sind.
  8. Oswald SPENGLERs in seinem berühmten Buch Der Untergang des Abendlandes (1919) gezeichnete Schicksalsnotwendigkeit des baldigen Untergangs hochzivilisierter Kulturvölker sei daher in Wirklichkeit eine Folge der domestikationsbedingten Degeneration des Sozialverhaltens.
  9. Dieser Vorgang droht, — und nun folgt ein Beinahe-Zitat von LORENZ — "sofern nicht eine bewußte, wissenschaftlich unterbaute Eugenik diese Dinge verhindert".
  10. Dieser Satz entsprach inhaltlich der damals seit Jahrzehnten allgemein vertretenen Vorstellung der Eugeniker und würde als Wenn-Dann-Aussage auch heute so formuliert werden können. Aber leider brauchte LORENZ hier statt Eugenik das damals übliche Wort Rassenpolitik. Das stimmt erstens sachlich nicht — mit Rassenunterschieden hat die Eugenik nichts zu tun —; und zweitens entsprach es dem Wortgebrauch der Nationalsozialisten für ihre an Entsetzlichkeit und Grausamkeit nicht zu übertreffende Rassengenozidpolitik. LORENZ hat niemals eine andere Rasse diskriminiert, seine Tendenz war nie rassistisch, sondern stets eugenisch.

    Über sein — inzwischen (TASCHWER/FÖGER 2003) mit großer Sorgfalt recherchiertes — Verhältnis zum Nationalsozialismus hat LORENZ später folgendes gesagt: "Ich habe gehofft, daß der Nationalsozialismus etwas Gutes bringen wird, nämlich in Bezug auf die Hochschätzung der biologischen Vollwertigkeit des Menschen, gegen Domestikation usw. Daß die Leute 'Mord' meinten, wenn sie 'Ausmerzen' oder wenn sie 'Selektion' sagten, das habe ich damals wirklich nicht geglaubt. So naiv, so blöd, so gutgläubig — nennen sie es, wie sie wollen — war ich damals." (LORENZ/KREUZER 1981)

    Damit hat sich LORENZ von seiner damaligen Ansicht distanziert. Ich möchte aber hierzu — abgelöst von LORENZ — etwas Allgemeines sagen: Bei der Frage, wie man zu nicht zu verantwortenden Äußerungen von Menschen Stellung nehmen soll, die andererseits in ihrem Gesamtleben Großes geleistet haben, folge ich selber zwei Grundsätzen:

    • Ich lasse keine Argumente zu, die solche Äußerungen beschönigen, relativieren oder entschuldigen, auch nicht, wenn jemand dem Zeitgeist folgte. Wir müssen jederzeit die Forderung stellen, daß die hervorragenden Geister einer Epoche autonom sind und sich durch keine geistige Mode blenden lassen. Im Hinblick auf Konrad LORENZ hätte ich den dringenden Wunsch, daß die betreffenden Worte nicht gedacht, nicht gesagt, nicht gedruckt worden wären, und ich bin in einer nicht zu beschwichtigenden Weise über sie enttäuscht und traurig.
    • Ich lasse die Möglichkeit offen, daß ein Mensch durch sein sonstiges Lebenswerk eine Schuld — zwar nicht tilgt, das ist nicht möglich — sie aber aufwiegt: Daß also die Schuld in einer Waagschale liegt, das sonstige Lebenswerk in der anderen, und daß die Waagschale der positiven Leistungen schwerer wird. In der heute im Westen führenden Religion ist ja ein solches Wertungsprinzip angedeutet: z. B. bei Petrus, der seinen Herrn nicht nur ein-, sondern dreimal schändlich feige verleugnet hat, später aber trotzdem zum Felsen der katholischen Kirche wurde, und bei Saulus, der zu Paulus wurde.

    Dies ist meine Begründung, warum für mich die damaligen Äußerungen von LORENZ zwar nie entschuldigt, jedoch durch das großartige sonstige Lebenswerk aufgewogen werden. In dieser Ansicht treffe ich mich mit vielen anderen, z. B. seinem Freund und Mit-Nobelpreisträger Niko TINBERGEN.

F. Konrad Lorenz als Zeitkritiker und politischer Mahner

Mit dem Anbruch seines achten Lebensjahrzehnts wurde Konrad LORENZ für die Öffentlichkeit noch einmal zu etwas Neuem: zum Deuter der Gegenwart, zum Zeit-Kritiker und politischen Mahner.

Das Taschenbuch von 1973 Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit und das 1983 erschienene Buch Der Abbau des Menschlichen sind im Thema, wenn auch nicht in den Aussagen, verwandt mit dem Taschenbuch von Karl JASPERS Die geistige Situation der Zeit und dem noch früher erschienenen Buch von Oswald SPENGLER Der Untergang des Abendlandes, und sie setzen deren Tradition fort.

Wie kommt es, daß ein erfolgreicher und mit höchsten Ehren überhäufter Naturwissenschaftler sich solch eine Aufgabe stellt? LORENZ war nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Arzt. Zum Arzttum gehört nach der Diagnose die Therapie; auf das Erkennen folgt das Helfen und Heilenwollen. Konrad LORENZ verstand sich in seiner Kritik an der heutigen Zivilisation ausdrücklich auch als Arzt und zog daraus für sich die Konsequenz in Abwandlung des Faustzitats "Ich will was lehren, die Menschen zu bessern und zu bekehren." (LORENZ 1963)

Die acht Todsünden sind nach den Buchkapiteln von Konrad LORENZ:

  • die Überbevölkerung der Erde,
  • das fortschreitende Verwüsten des Lebensraumes,
  • der Wettlauf der Menschheit mit sich selbst, mit den Folgeerscheinungen des Wirtschaftswachstums und des Wettrüstens,
  • die Verarmung der Gefühle durch zunehmende Neigung zur Sofortbefriedigung,
  • genetischer Verfall,
  • Abreißen der Traditionsweitergabe von Alt zu Jung,
  • zunehmende Indoktrinierbarkeit der Menschenmassen durch Ideologien,
  • die Aufrüstung mit Kernwaffen.

Die Überschrift des vierten Kapitels "Der Wärmetod des Gefühls" spielt auf einen physikalischen Prozeß an. Damit ist die seelische Verflachung gemeint, die auf den Mangel an Möglichkeiten des Sich-Bewährens, auf Sofortbefriedigung von Bedürfnissen und auf das Betäuben aller Schmerzen und Leiden folgen kann. LORENZ untersucht, wie diese Seelenhaltung, sofern sie sich massenhaft ausbreitet, durch die Wechselwirkung zwischen natürlichen menschlichen Veranlagungen und Ergebnissen des Zivilisationsfortschritts zustandekommt.

Das elf Jahre später erschienene Buch Der Abbau des Menschlichen (LORENZ 1983) behandelt zu Beginn seiner zivilisationskritischen Abschnitte solche menschliche naturhafte Triebfedern, die an sich sinnvoll sind und die auch in der bisherigen Menschheitsgeschichte überwiegend segensreich wirkten: das Verlangen nach Wachstum, die "Funktionslust" (= Freude am Tun und Teilhaben an aktivem Geschehen), das Streben nach Arbeitsteilung und nach übersichtlicher Ordnung sowie schließlich die Begeisterung für das kämpferische Durchsetzen hoher Ziele. Ausgerechnet diese vitalen, zum vollen Menschsein gehörenden Verhaltensrichtungen entfalten in der heutigen Zivilisation unheilvolle Konsequenzen: Vermehrung der Bevölkerung und Wachstum der Wirtschaft überfordern die Kapazität der Umwelt; der Wettbewerb gebiert Wirtschaftswachstum, dazu aber auch weltweites Wettrüsten; die Funktionslust verführt zum Selbstgenuß, auch beim Erfinden immer abscheulicherer Waffen; die Arbeitsteilung tendiert zur Vereinseitigung der Arbeit des Einzelnen, zu deren Sinnentleerung und zur geistigen Enge des Spezialistentums; das Streben nach Ordnung endet in erstickender Überorganisation; und die Begeisterungsfähigkeit führt bei manchen Jugendlichen und Erwachsenen zur Anfälligkeit und Ohnmacht gegenüber ideologischer Indoktrinierung verschiedenster Herkunft. LORENZ deutete die Mühsale unserer zivilisatorischen Entwicklung also nicht als Ausgeburten von Dummheit oder bösem Willen, sondern als Folge dessen, was man als Tragik bezeichnet: Gutes verkehrt sich zum Verhängnis durch Übersteigerung, durch Konflikt mit anderem Guten oder im Rahmen neuer Schicksalszusammenhänge.

LORENZ sah tatsächlich keinen anderen Ausweg aus dem Verhängnis als die Änderung der Prioritäten für politische Entscheidungen; denn die Fortschreibung der beiden heutigen, allein als "realistisch" geltenden Maßstäbe, Wirtschaftlichkeit und Macht, führt auf die Dauer unweigerlich in ökologische und soziale Katastrophen. Die zerstörerischen Entwicklungen noch rechtzeitig unter Kontrolle zu bringen, kann nach seiner Ansicht nur gelingen, wenn andere Werte als Geld und Macht handlungsbestimmend werden. Dies setzt trivialer Weise voraus, daß die Menschen auf solche anderen Werte überhaupt ansprechen. Dafür besteht jedoch die prinzipielle Möglichkeit, denn das Verlangen nach Verteidigung des Wertvollen in Natur und Kultur wurzelt ebenso im menschlichen Wesen wie die Triebfedern, die zur Zeit die Menschheit in tödliche Gefahr bringen.

Zur Aktivierung der erforderlichen seelisch-geistigen Kräfte legte LORENZ zwar kein umfassendes Programm vor, doch zeigte er die Richtung. Er bespricht oder nennt einige Bereiche der menschlichen Entfaltung, denen er eine formende, aufs ganze Wesen ausstrahlende Wirkung zutraut, so vor allem: Bildung des Sinnes für Schönheit und Harmonie, z. B. durch vielfältiges Naturerleben und Musikerziehung; Erweckung von Mitgefühl für die Kreatur; Schaffung von Situationen insbesondere für Jugendliche, in denen sie sich unter Mühen und Gefahren bewähren können; Kennenlernen fremder Kulturen als Mittel gegen Überheblichkeit und nationalen Haß; Abbau der derzeitigen übermäßigen Toleranz gegen die gesellschaffliche und politische Lüge sowie Aufklärung und Immunisierung gegen alle Methoden der Indoktrination und Ideologisierung.

Mancher mag Konrad LORENZ nicht in allen seinen Gedanken folgen; aber niemand kann ihm die Achtung dafür versagen, daß er, sich selbst treu bleibend, als über 70jähriger den Elfenbeinturm des Wissenschaftlers verließ, um seine Überzeugungen auch in der politischen Öffentlichkeit zu vertreten. Er gründete mit Hubert WEINZIERL die "Gruppe Ökologie"; er stellte sich zur Verfügung als Vorsitzender des Weltkongresses "Alternativen und Umwelt"; er entfernte sich eines Abends von der Nobelpreisträgertagung in Lindau, der ich im zuhörenden Publikum beiwohnte, um mit einer Rede auf dem Marktplatz von Bregenz vor dem Bau eines Schweizer Kernkraftwerkes zu warnen.

1979 wurde er zur Leitgestalt des Volksbegehrens, das die Stillegung des Atomkraftwerkes Zwentendorf in Österreich zur Folge hatte; es ist denkbar, daß sein Engagement (s. Abb. 13) die wenigen Prozent der Stimmen warb, die für das knappe Nein verantwortlich waren.

Abb. 13

Konrad LORENZ 1979 beim Volksbegehren gegen das Atomkraftwerk Zwentendorf (Österreich) (aus FESTETICS 1983, S. 150, Abb. 250).

Die zweite Sonderaktion schildere ich jetzt so, wie sie mir Konrad LORENZ anläßlich meines Besuches im Juni 1986 erzählte. Sogleich danach habe ich es in meinem Tagebuch niedergeschrieben. "Eines Tages rief der Konsul [...] an und fragte, ob ich [LORENZ] eine Resolution gegen die Vernichtung des Auwaldes von Hainburg unterschreiben würde. Ich antwortete JA, falls es nicht parteigebunden, also weder schwarz, noch rot, noch grün, noch sonst wie gefärbt wäre. Am nächsten Morgen brachten die Kronenzeitung und alle anderen die Nachricht: 'Konrad Lorenz setzt sich an die Spitze des Volksbegehrens zur Erhaltung der Hainburg-Auen'. Es hieß von da an auch 'Konrad-Lorenz-Volksbegehren'. Plötzlich aber bekam ich Angst, denn jetzt strömten alle meine Leute, Studenten, Naturschützer, Professoren in den Auwald, die Bauern brachten Heu und Stroh, daß sie sich wärmten konnten; aber auf der anderen Seite formierte sich die Polizei, und die Gewerkschaften ließen ihre Leute anrücken. Wenn es jetzt ein Blutbad gegeben hätte, wäre ich daran mitschuldig gewesen. Aber es waren alle da — die Politiker mußten rufen: nicht schießen, da ist mein Sohn dabei. Der Gewerkschaftsboß holte seine Leute zurück. Die Studenten waren großartig, sie ließen sich wegtragen, und dann legten sie sich wieder vor die Maschinenwagen. Bernd LÖTSCH veranstaltete eine internationale Pressekonferenz hier in Altenberg: Ich malte ein schauriges Bild von dem, was geschehen könnte. Dann kam der Friedensschluß. Daß Bundeskanzler SINOWATZ nach Altenberg kommen würde, das war natürlich nicht denkbar, das hätte wie eine Demütigung ausgesehen. So trafen wir uns in Klosterneuburg (Abb. 14). Danach fragte mich ein Fernsehjournalist, ob ich jetzt genauso dächte wie früher. Ich sagte: Nein, ich denke jetzt ganz anders. Alle Beteiligten waren unglaublich viel vernünftiger, als ich je gehofft hätte. Das waren große Tage für Österreich."

G. Spannweite der Persönlichkeit

Nach Aussagen seines Bruders Albert entwickelte Konrad LORENZ schon sehr früh "eine erstaunliche Zeichenwut, die aber vorwiegend [...] Enten und Gänse zum Gegenstand hatte [...] Auf Autoreisen, bei denen der Bub, noch viel zu klein, mitgeschleift wurde, hatte die Frau Professor stets eine Mappe mit Zeichenutensilien mit, und wenn wir im Wirtshaus aufs Essen warteten, entfaltete der kleine Konrad eine lebhafte Zeichentätigkeit: Er mußte alle Enten und Gänse porträtieren, die uns im Laufe der Fahrt untergekommen waren, und das war, auf einer Reise durch Mähren und Böhmen etwa, eine ganz schöne Aufgabe." (Alb. LORENZ 1980) Konrad LORENZ hat bis in sein letztes Lebensjahr hinein immer wieder gezeichnet und gemalt und bewies dabei auch eine hohe Meisterschaft im Liebe- und humorvollen Karikieren. Solche Zeichnungen illustrierten auch viele seiner Briefe an Oskar HEINROTH (HEINROTH/LORENZ 1988), z. B. Abb. 12; zahlreiche weitere köstliche Proben seiner Kunst sind enthalten in der Bildbiographie von Antal FESTETICS (FESTETICS 1983).

Zum Anlaß für ein weiteres Karikatur-Bildchen, Abb. 15 links, wurde für Konrad LORENZ seine im Alter zunehmende Schwerhörigkeit: Mit dem "Selbstkonterfei mit Kopfhörer" bedankte er sich bei dem Physik-Studenten, der eine für ihn geeignete Kombination aus Tischmikrophon und Kopfhörern zusammengestellt hatte. Dieses Gerät verwunderte auch seine "Spiegelgesprächs"-Partner aus Anlaß seines 85. Geburtstags (Abb. 15 rechts); und es ermöglichte auch die Verhandlung über die Rettung des Auwalds von Hainburg, erkennbar auf Abb. 14.

Abb. 14

Antal FESTETICS, Bundeskanzler Fred SINOWATZ, Konrad LORENZ, Umweltminister Kurt STEYRER bei der "Friedenskonferenz" in Klosterneuburg bei Wien: Die Hainburger Entscheidung, ein Ruhmesblatt (Archivbild).


Abb. 15

Konrad LORENZ mit Tischmikrophon und Kopfhörer, links im Selbstporträt (1984), rechts im Spiegelgespräch (Foto "Der Spiegel" 42, Heft 25, S. 244, 1988).

Zum schriftstellerischen Naturell von Konrad LORENZ lassen wir einen kompetenten Beurteiler, der mit ihm befreundet war, zu Wort kommen: Carl ZUCKMAYER (1896-1977, Abb. 16). Wie dieser in seinem Erinnerungsbuch Aufruf zu Leben (ZUCKMAYER 1976) berichtet, hatte er während seines mehrjährigen Amerika-Aufenthaltes das Buch Er redete mit dem Vieh, den Vögeln und den Fischen gelesen — genauer: die von LORENZ selbst geschriebene englische Ausgabe mit dem Titel King Salomon's Ring. "Es ist merkwürdig", schrieb ZUCKMAYER, "daß auch in der Übersetzung, der Fremdsprache, das Buch auf mich den Eindruck machte, als habe ich eine Dichtung gelesen." Später spricht er von der "erzählerischen Quellkraft und passionierten Mitteilungsfreude" dieses Buches. Wie zutreffend damit die schriftstellerische Gabe von Konrad LORENZ angesprochen ist, ermißt nur, wer das Buch selbst liest: Teilhaftig köstlichen Lesevergnügens begreift er zugleich die Grundaussagen einer wissenschaftlichen Disziplin.

Abb. 16

Carl ZUCKMAYER und Konrad LORENZ (aus FESTETTCS 1983, S. 122, Abb. 198).

Nicht nur das geschriebene, auch das gesprochene Wort stand Konrad LORENZ bis zur feinsten Nuance zur Verfügung. Er war ein Redner, Diskussionsredner und Erzähler voller Phantasie und Geist, dem man nur allzugern zuhörte. Als es auf dem Philosophenkongreß 1950 im Bremer Rathaus zu einer Diskussion über den Menschen als "biologisches Mängelwesen" kam — ein Konzept ursprünglich von Johann Gottfried HERDER, später von Arnold GEHLEN (der anwesend war) — konterte LORENZ nicht einfach mit einer Aufzählung biologischer Höchstleistungen des Menschen; er kleidete sein Argument vielmehr in ein Spiel seiner Phantasie, den "Lorenzschen Dreikampf": "Denken Sie sich einen Wettkampf — 15 km wandern; dann in ein 3 m tiefes Becken tauchen, um einen Ziegelstein aus dem Wasser heraufzuholen; und dann ein Hanfseil hinaufklettern, das hier an der Decke hängt — das kann kein Saugetier! Aber das können wir alle, sogar Professor HARTMANN noch" (der, damals 73 Jahre alt, neben Konrad LORENZ saß). "Wohl kann der Gepard schneller laufen, der Delphin schneller schwimmen und der Schimpanse schneller klettern als der Mensch, aber sie sind Spezialisten auf ihrem Gebiet und für die anderen Disziplinen ungeeignet." (Und dann zu Arnold GEHLEN gewendet:) "Nein, der Mensch ist auch körperlich gar nicht so ohne ..."

Zum Abschluß dieses Abschnitts die Frage: Wie verhielt sich Konrad LORENZ zu seinen Mitmenschen? Hierzu eine ganz kleine, gewiß überaus einseitige Auswahl von drei "highlights":

  • Es gibt einen Grauganslaut mit der Bedeutung "wir wollen fort von hier". Er kann sich mischen mit anderen Lauten, z. B. dem allgemeinen Unlustlaut ("quengeln") oder dem auf eine Gefahr hinweisenden Warnlaut (LORENZ 1988). In Seewiesen hatte es für die dort lebenden Graugänse keine Gelegenheit für den unvermischten Weggehlaut gegeben. Dieser wurde erst im Almtal entdeckt, wohin die Gänse nach Konrad LORENZ' Rückkehr nach Altenberg umgesiedelt worden waren; und zwar war es nicht LORENZ selbst, sondern seine dortigen Mitarbeiterinnen identifizierten den Laut erstmalig. Gerade hierüber war LORENZ, wie es schien, am allerglücklichsten; denn er betonte es beim Berichten über die so späte Entdeckung eines neuen Wortes der Gänsesprache begeistert und unermüdlich, wer die Entdeckerinnen waren.
  • Auf einer Fahrt zu Karl VON FRISCH (Abb. 17) in dessen Haus in Brunnwinkel am Wolfgangsee wurde das Auto auf LORENZ' Geheiß in einem Kilometer Entfernung vom Ziel abgestellt: "Karl von Frisch aufzusuchen, ist kein Besuch, sondern eine Pilgerfahrt; und die legt man zu Fuß zurück."
    Abb. 17

    Karl VON FRISCH und Konrad LORENZ (Foto B. HASSENSTEIN).

  • Als Mitglied des Ordens Pour le mérite lernte Konrad LORENZ die Schriftstellerin Marie Luise KASCHNITZ (1901-1974) kennen. Um ihr eine besondere Freude zu machen, wählte er eines ihrer Gedichte aus (das elfte der Reihe "Rückkehr nach Frankfurt"), lernte es auswendig und rezitierte es ihr beim nächsten Treffen — dem letzten vor ihrem Tode.

Schlußbild

In seinen letzten Lebensjahrzehnten verließ Konrad LORENZ dann und wann Altenberg — das Foto Abb. 18 hat einen Abschiedsgruß seiner lieben Frau Gretl eingefangen — und verbrachte ein paar Tage oder Wochen im Almtal, wo seine Schüler die Grauganskolonie betreuten.

Abb. 18

Abschiedsgeste von Gretl LORENZ (geb. GEBHARDT) bei der Abfahrt von Altenberg ins Almtal (Foto B. HASSENSTEIN).

Gelegentlich spielte sich dort etwas ab, was jedem, der es miterlebte, unvergeßlich bleibt: Hoch über einer weit ausladenden Wiese im Almtal, das von steilen, bewaldeten Bergen gesäumt ist, erschien plötzlich, von Süden her kommend, eine Formation von Wildgänsen, ein großes "V" bildend. Am reißend schnellen, geraden Flug offenbarte sich ihre Absicht, die Wiese zu überqueren: Sie strebten dem einige Kilometer flußabwärts gelegenen unteren Teich zu. Aber Konrad LORENZ, der auf der Wiese ruhte, dort wo sie an den vom Flüßchen gebildeten mittleren Teich grenzt, hatte die Gänse bemerkt und stieß mehrmals weit hallend ihren Erkennungsruf aus, urtümlich und rauh. Die Reaktion der dahinbrausenden schweren Vögel war blitzschnell und außerordentlich: Im Nu löste sich die Formation auf, jeder Vogel warf sich auf eigene Weise in der Luft herum, er kippte beispielsweise auf eine Flügelspitze oder auf den Rücken; so verloren die Tiere schnell an Höhe. Gleich darauf fingen sie sich wieder und bildeten nun viel näher am Boden eine neue Ordnung. Sekunden später hörte man das Brausen der Vögel, und schon fielen die Graugänse auf der Wasserfläche ein, nahe dem Menschen, der sie gerufen hatte und aus dessen Hand sie nun Getreidekörner annahmen. Ein paar Augenblicke lang hatte sich an einem Fleckchen dieser Erde das Paradies eingestellt: Das Wort einer Tiersprache rief große Vögel von ihrem freien Flug zu einem sie liebenden Menschen herunter, der ihre Sprache von ihnen gelernt hatte.

Nachschrift

Die Einladung zu diesem Vortrag schloß die Aufforderung ein, Einzelnes über die Einflüsse von Konrad LORENZ auf meinen persönlichen Werdegang zu berichten.

Wie schon gesagt, bekam ich von meinem wissenschaftlichen Lehrer Erich VON HOLST den dringenden Rat, die Veröffentlichungen von Konrad LORENZ gründlich zu studieren, insbesondere "Über die Bildung des Instinktbegriffes" (1937). Beispielsweise wurden damals für mich die Begriffe des "Appetenzverhaltens" und der "instinktiven Endhandlung (Endsituation)" zu meinem selbstverständlichen gedanklichen Handwerkszeug, und ich wandte sie auch auf den Menschen an.

Hierdurch kam ich einige Zeit später zu einer gedanklichen Folgerung, die mir unerwartet alle innere Sicherheit raubte: Das Ideal des Faust "Wer immer strebend sich bemüht ..." hat, so entdeckte ich, den Charakter eines Appetenzverhaltens; das Ablehnen des Genusses — "kannst du mich mit Genuß betrügen, das sei für mich der letzte Tag" — ist seinem Wesen nach ein Perpetuieren des Appetenzverhaltens und gleichsam ein Verschieben der "Endsituation" über den Tod hinaus. Durch diesen Gedanken war für mich das faustische Prinzip entzaubert, mein bisheriges Lebensideal zusammengebrochen, und ich war verzweifelt. Ich habe mich daraus wieder gerettet; aber als wir nach dem Krieg erfuhren, Konrad LORENZ lebt noch, und als er schließlich heimkehrte, fieberte ich danach, ihm meine innere Geschichte, die durch seine Überlegungen bis zur Auslösung einer existentiellen Krise beeinflußt worden war, persönlich zu offenbaren.

Diese Gelegenheit bot sich in den Pfingsttagen 1950, als Erich VON HOLST (Abb. 14) eine Gesprächsrunde zur Klärung der Grundbegriffe der Verhaltensphysiologie zu sich nach Wilhelmshaven eingeladen hatte. Die ersehnte Gelegenheit, mit Konrad LORENZ allein zu sprechen, ergab sich in Form einer gemeinsamen Wattwanderung bei strahlendem Sonnenschein, wir beide — für mich völlig ungewohnt — so wie uns Gott erschaffen hatte, farblich im seltsamen Gegensatz dazu die vom schwarzen Wattenschlick verschmierten Füße. Die Gesprächszeit war unbegrenzt und erlaubte es mir, Konrad LORENZ meine ganze äußere und innere Lebensgeschichte einschließlich der Auswirkungen seiner Schriften auf mich zu unterbreiten.

Auf meine Frage, wie es zu erklären sei, daß er durch seine Analysen nicht zur gleichen Verzweiflung getrieben wurde wie ich, verwies LORENZ auf das Schlußkapitel der "Angeborenen Formen möglicher Erfahrung". "Das hat mir gar nicht geholfen", erwiderte ich, "denn darin stecken für mich auch nur Werte a posteriori. Ich glaube eher: Sie waren einfach zu gesund, um so in Verzweiflung zu geraten." Das bejahte er, ohne zu widersprechen.

Als besonders bedeutsam empfand ich es für mich, als er mir damals folgendes vortrug: Lange Zeit habe er sich gedanklich mit der Frage auseinandergesetzt, wie wir an unseren Mitmenschen den Wert ihrer Persönlichkeit einschätzen sollten, insbesondere auf dem Hintergrund des Urteils von Immanuel KANT, für den die verantwortliche Moral entscheidend war, und der den in der menschlichen Natur verankerten Neigungen keinen so hohen Wert zusprechen wollte. LORENZ liebte Friedrich SCHILLERS bekannten Ausspruch, der sich gegen KANTS einseitigen Tugendbegriff richtet: "Gerne dien' ich dem Freunde, doch tu ich es leider aus Neigung; darum wurmt es mich oft, daß ich nicht tugendhaft bin." Konrad LORENZ bekannte mir damals seinen Stolz, hier eine nicht nur theoretisch, sondern auch in der Menschenkenntnis anwendbare Lösung gefunden zu haben, die sowohl SCHILLER als auch KANT gerecht wird: Wenn wir einen Menschen als Gesamtpersönlichkeit beurteilen, so werden wir denjenigen am höchsten schätzen und ihn am ehesten zum Mitarbeiter wählen, dessen soziales Verhalten am meisten in seiner Natur liegt, also 'von Herzen' kommt. Wenn wir dagegen eine einzelne Handlung zu beurteilen haben, werden wir diese um so höher bewerten, je weitergehend sie allein der vernunftmäßigen Verantwortlichkeit entsprang und gegen eigene natürliche Tendenzen und Schwächen durchgesetzt werden mußte (ähnlich formuliert in LORENZ 1950c). Ich meinerseits war damals sehr stolz, daß LORENZ mir, dem Jüngeren, diesen von ihm neu entwickelten Gedanken vortrug.

In meinem späteren eigenen Lebenswerk (HASSENSTEIN 1973, 2001) habe ich versucht, die von Konrad LORENZ übernommenen wissenschaftlichen Entwürfe weiterzuführen, und zwar vor allem in vier Richtungen:

  • Formalisierung der von ihm erkannten Prinzipien der Verhaltenssteuerung durch Funktionsschaltbilder, dadurch Schaffung einer abstrakten Ebene der Darstellung von steuernden Zusammenhängen (siehe Abb. 19). Das geschah mit dem Ziel, den bloßen Analogieschluß vom Tierverhalten zum Menschenverhalten durch ein überprüfbares zweistufiges Verfahren zu ersetzen: 1. Vom Tierverhalten zur abstrakten Formulierung; 2. Untersuchung, wie weit das abstrakte Funktionsschema im Verhalten des Menschen verwirklicht ist.

    Abb. 19

    Funktionsschaltbild zum LORENZschen "Triebmodell" (HASSENSTEIN 1983).

    Das hier als Beispiel gewählte Funktionsschaltbild Abb. 19 gibt — auf der Ebene und mit den Mitteln von Signalübertragung und Datenverarbeitung — denjenigen biologischen Funktionszusammenhang wieder, den Konrad LORENZ mit seinem physikalisch-technischen "Triebmodell" (Abb. 9) dargestellt hatte: (1) Kooperatives (nicht additives) Zusammenwirken zwischen auslösenden Reizen und innerer Bereitschaft für die Auslösung des Verhaltens; (2) endogene Zunahme der Bereitschaft bis zur Verursachung von Leerlauf-Aktionen; (3) Verringerung der Bereitschaft durch die Ausführung des Verhaltens (aus HASSENSTEIN 1983).

  • Verhaltensbiologische Analyse der Lernprozesse aus guter und schlechter Erfahrung, deren Ergebnisse LORENZ zu meiner Freude in sein Lehrbuch aufnahm (LORENZ 1978a). Ausführlich dargestellt in HASSENSTEIN 2001, Kap. IV, B2 bis B7.
  • Differenzierung der Anlässe für aggressives Verhalten, das LORENZ bis auf wenige Ausnahmen immer pauschal als monokausal beschrieben hatte. Dargestellt in HASSENSTEIN 2001, Kap. II, F1, F2, C1, IV E1, VII A6 etc.
  • Anwendung des LORENZschen theoretischen Entwurfs auf die Verhaltensentwicklung des Kindes und die Aufklärung der Verursachung von Verhaltensstörungen, wie z. B. Bettnässen. Dargestellt in HASSENSTEIN 2001, Kap. III und VII, sowie HAUG-SCHNABEL 1994.

Zitierte und zur Vertiefung geeignete Literatur

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